Interview Oktober 2018


Isabelle, die die Facebook-Gruppe „Alternatives Wohnen“ moderiert, besuchte mich im Oktober 2018, weil sie sich für den Ikosaeder interessierte. Sie hat mir die folgenden Fragen zum Konzept gestellt:


1.) Wie bist Du auf die Idee, des Ikosaeders bzw. Ecosaeders gekommen?
Ich bin schon lange fasziniert von der Schönheit und Geborgenheit ausstrahlenden kuppelförmigen Bauform von Domes. 2009 habe ich mit Freunden einen ersten 5m-Dome aus Bettlatten gebaut.

In der Folge wollte ich das geometrische Konstruktionsprinzip von Domes verstehen, und landete bei der Erkenntnis, dass Domes sich vom Ikosaeder, einem regelmäßigem Körper, der aus 20 (iko, griech.) gleichseitigen Dreiecken ableiten.
Der Ecosaeder entstand aus der Fragestellung, wie es möglich wäre, ein solches Gebäude nicht nur als schön anzusehendes Gerüst/Zelt, sondern in bewohnbarer, gut isolierter, regendichter und dauerhaft nutzbarer Ausführung zu bauen. Mir war schnell klar, dass der Aufbau aus lauter gleichen Dreiecken ökonomische, ökologische und gestalterische Vorteile haben kann.
Nach drei Jahren Entwicklungsarbeit weiß ich heute, daß, und wie genau diese Ideen umsetzbar sind. Mir kam zugute, dass ich schon mehrere Häuser und Wohnungen selbst ausgebaut habe. Ziel war es, kein weiteres Tiny House Luxusprodukt für Wohlhabende zu schaffen, sondern nach konkreten Wegen zu suchen, wie die ökonomischen Vorteile der Form durch modulare Fertigung zu einem bezahlbaren Ergebnis führen.

2.) Wieviel kostet der Ecosaeder im Selbstaufbau?
Der Preis des Ecosaeders hängt u.a. entscheidend von der Anzahl der Fenstermodule ab, die in der Herstellung wegen (Materialkosten und handwerklichem Auwnad) deutlich mehr kosten als die Wanddreiecke. Nach unseren ersten Erfahrungen vom Bau des Prototyps wäre ein Preis von c.a. 12.000€ realistisch darstellbar, wovon etwa die Hälfte für das Material und die andere Hälfte Arbeitskosten sind. Dies für 4 Fenster, Tür, inkl. Dach, Boden, 8cm Hnf-Jute-Isolierung, Außenverkleidung. Es ist auch denkbar, bei bestimmten Arbeitsschritten Eigenleistung einzubringen, etwa bei der Oberflächenbehandlung der Elemente.

3.) Wie lange dauert der Selbstaufbau der Module und wieviele Menschen werden benötigt?
Der Aufbau dürfte – je nach handwerklicher Erfahrung – etwa 4 Tage dauern, für den Tag des Dachaufbaus braucht man 3 Personen, der Rest geht auch allein oder zu zweit.
Man braucht keinen Kran, kein Gerüst, eine gute Stehleiter genügt. Es werden nur 5 tragfähige Punkte gebraucht. Die Module und Verkleidungen sind handlich und gut zu tragen. Kein Teil ist länger als 2,70m, die Einzelteile können also in einem mittelgroßen Transporter bewegt werden. Mindestens ein erfahrener Handwerker sollte dabei sein.

4.) Was ist das Besondere am Ikosaeder?
– Die kristallartige Form.
– Das modulare Prinzip – Fenster können z.B an jeder beliebigen Stelle ohne konstruktive Änderung integriert werden.
– daß er ohne Spezialwerktzeuge gebaut werden kann.
– Daß er innen grösser erscheint als von außen.
– Daß er futuristisch aussieht, aber ausschließlich aus recyclebaren und naturverträglichen Materialien besteht.
– Daß er ein sehr gutes Wand/Volumen Verhältnis hat – etwa 20% besser als ein Quader.
– Daß er, weil er unter 40m3 bleibt ohne Genehmigungsverfahren aufzustellen ist. Das läuft dann unter Gartenpavillon.

5.) Die Maße des Prototyps?
Innenhöhe Mitte: 3,44m, Bodenfläche 10,75 qm, Boden Diagonale 4,05 bis 3,85, bestehend aus 60 Wandmodulen mit Seitenlänge 1,25m, Rauminhalt 30 m3, Wanddicke 11cm, Isolierung 8cm.

6.) Möglichkeiten der Erweiterung – größer, mit Küche und Bad?
Es sind 2 Wege der Erweiterung möglich:
1. man kann mehrere Ecosaeder miteinander zu einer Wohnung kombinieren, hier ein Entwurf mit Innenhof.


2. Man kann aus den gleichen Modulen auch größere Ikosaeder als den 10qm-Prototyp bauen, indem man für eines der 15 Wand- und Dachdreiecke statt 4 Modulen 9 Module verwendet. Daraus würde dann bereits eine 50qm Wohnung mit 2 x 25 qm auf zwei Stockwerken entstehen – grob geschätzt zum dreifachen Preis des Prototyps. Technisch machbar, allerdings wäre hierfür bereits eine Baugenehmigung fällig.

7.) Isolierung mit Hanf, aber etwas genauer?
Die Module sind mit einem ökologischen, nachwachsenden und kompostierbaren Dämmstoff isoliert: Hanf-Jute Matten von 8 cm Dicke. Die Bodenelemente sind ebenfalls isoliert. Hier ein Konstruktionsbeispiel – Blick von Außen:

Durch das modulare Prinzip der Einzeldreieck-Kammern können auch andere Dämmstoffe unproblematisch eingebaut werden, Z.B. Isofloc (Papierdämmung), oder Stroh. Der Ecosaeder selbst besteht aus fingerverzinktem Fichtenholz.

8.) Alternative Heizmöglichkeiten aus Deiner Sicht?
Der aktuell eingebaute kleine Ofen mit Sichtscheibe für 200€ macht sehr gut warm.
Ich bin ein Fan von Lehm-Wandheizung, die wir in unserem Haus eingebaut haben, und kann mir gut vorstellen, dass ein Warmwasserspeicher, der solarbetrieben und mit Gas-Durchlauferhitzer kombiniert würde, unter dem Boden eingebaut, den Ikosaeder sehr komfortabel über einige Wandheizungselemente gemütlich warm machen könnte.

9.) Mobile Version möglich – klar wegen der Breite > 2,50m nicht straßentauglich, aber ggf. mit Rädern als Mobilheim im Campingplatz?
Der Ecosaeder steht auf 5 verstellbaren Standard-Gerüstfüßen. Es gibt auch passende Rollen-Füße für Gerüste, die man stattdessen einbauen könnte.
Wäre aber eher für die bürokratische Anerkennung als mobile Home – zum Umziehen zerlegt man das Gebäude eher.

10.) Wirkung der Bauweise auf den Menschen- Schwingungen/heilige Geometrie?
Die kuppelförmige Raumgeometrie strahlt eine besondere Geborgenheit aus. Die gleichseitigen Dreiecke, die innen sichtbar sind, haben als Form eine sehr stabile und harmonische Ausstrahlung.

Der Grundriss ist fünfeckig und der goldenen Schnitt erscheint mehrfach in den verschiedenen Proportionen des Bauwerks. Im Prototyp ist dies durch einen Mandalaboden direkt sichtbar. Am Ikosaeder ist nichts rechteckig – er zeigt also schon durch seine Form, dass sein Bewohner einen anderen, integrierenden Weg bevorzugt als dem global verbreiteten Quader-Wohnformen der Industriekultur.

Die Abwicklung eines Ikosaeders findet man in der Blume des Lebens wieder:

Dite Bodenelemente bilden die Form eines Fünfsterns – der goldenen Schnitt taucht mehrmals in den Proportionen auf

 

11.) Unterschied zu anderen Domen?
Es gibt nach meinen Recherchen kaum Anbieter von Domes, die keine Zeltkonstruktionen sind und deshalb nicht ganzjährig bewohnbar. Der Ecosaeder ist dauerhaft, winterdicht, aus ökologischen Materialien und dennoch bezahlbar.
Ich wünsche mir, als nächsten Schritt nach dem gleichen, bewährten Konstruktionsprinzip auch größere, rundere Domes zu bauen.

12.) Warum diese Form?
Die Kuppelform ist schön, energetisch effizient, und als Modulsystem auch kostengünstig herstellbar. Mir gefällt auch die futuristische Ausstrahlung, weil wir für die Zukunft eine ressourcenschonende Wohnweise für diesen Planeten brauchen. Ein Zirkuswagen oder eine Jurte sind romantisch, verweisen eher auf vergangene Kulturen. Ich wünsche mir für die Zukunft auch ökologische Bauweisen *kombiniert* mit intelligenter Technikanwendung.

13.) Belüftung?
Durch Fenster und Tür, auch Bodenklappen wären leicht einbaubar. Durch die Stabilität der Konstruktion ist es auch denkbar, dass man ein großes Wanddreieck (3Module) komplett aufklappen könnte an schönen Tagen.

14.) Eigene Ergänzungen…? Was Dir noch wichtig ist…
Ich bin selbständiger Verleger und habe die Idee nebenberuflich verfolgt und den Ecosaeder in meiner Garagenwerkstatt gebaut. Es steht bisher also noch keine Produktionswerkstatt und kein Vertrieb zur Verfügung. Sollten sich aber genug (nicht zu ungeduldige) Interessenten finden, die zu einer Materialvorfinanzierung (50%) bereit wären, könnten wir die Organisation der Herstellung in Stückzahlen ins Auge fassen. Wenn sich ein/e Schreiner*in oder Zimmermann/frau vom Konzept angesprochen fühlt, bin ich gern bereit, über eine Zusammenarbeit zu verhandeln. Ich kenne bereits einige Beispiele, die zeigen, daß Bedarf besteht und solche Angebote auch ökonomisch sehr gut funktionieren können.

Fragen?

info@ecosaeder.de